Wieso sind die meisten Profiköche männlich wenn Kochen doch eigentlich ursprünglich die “Domäne” der Frau war/ist?

Eine interessante Frage wurde mir von Judy gestellt die in einen Bereich vordringt, in dem zwischen den Geschlechtern kein Unterschied zu bemerken ist, oder doch?

Schon vor Urzeiten wurde das Bild eines jagenden Mannes und einer Lagerfeuerschürenden Frau an die bewohnten Höhleninnenwände gezeichnet. Aus der körperlichen Kraft heraus ist der Mann immer schon derjenige gewesen, der das Futter gejagt, getötet und angeschleppt hat. Es der Frau vor die Füsse warf und mit kommunikationsloser Gewissheit sich auf das frischgegrillte freuen konnte. Abwasch inklusive.

Szenewechsel in ein Restaurant abends um 19:22 Uhr:
“Zweimal Seesaibling als Vorspeise, drei Pfifferlingknusperle und zwei Ruccolasalate mit Ofentomaten, einer davon nur mit Olivenöl. Danach noch drei geeiste Gurkensuppen mit schottischem Räucherlachs und eine Flädlesuppe als Deuxième.”
Sind die Brassen schon fertig? Anrichten! Marcus, bring mir noch die letzten Rindsfilet aus dem Kühlraum!
Das Dessert für den 8er Tisch fertig? Schicken! Francis, was ist mit den Beilagen?? Arrivée!

… und so weiter. Was die Köche noch nicht wissen. Um 21:57 Uhr wird vom Service noch ein 6er Tisch angenommen. Zur Freude aller noch zurückgebliebenen Küchenmitarbeiter. Es kann also nach Mitternacht werden.
So sieht ein typischer Abend in einem typischen gutgehenden Restaurant aus. Stress, Druck und manchmal auch rauhe Winde wehen durch die Hitzegeschwängerte, stickige Küche.

In den vielen Häusern in denen ich bis jetzt tätig war habe ich nur einmal eine Küchenchefin als Vorgesetzte gehabt. Sie war ein Phänomen. In einem Betrieb mit 50 Köchen aus der ganzen Welt führte sie die Crew mit eiserner Hand. Wenn sie in einem der Kühlräume verschwand um nach dem rechten zu sehen folgten ihr mehrere “Untergebene” im Gänsemarsch und beförderten die Inhalte der Töpfe und Behälter, die sie für nicht gut befand, in hohem Bogen in den Abfall. Danach verliess sie mit wehendem langem Haar die Stätte des Grauens und die “Untergebenen” unsicheren Schrittes hinterher. Die 35jährige Engländerin konnte sich über mangelndes Selbstbewusstsein nicht beklagen, Ihr 2metriger schwarzer Freund vermutlich auch nicht. So hatte jeder einen Grund um auf der kleinen karibischen Insel ins Schwitzen zu kommen.

Was möchte ich damit nun sagen?
Ich glaube aus meiner Erfahrung heraus dass alleine schon das Bild des Arbeitszeit und Familienunfreundlichen Stressberufes “Koch” abschreckend auf Männlein und Weiblein wirkt. Jedenfalls haben wir in Österreich bereits Lehrlingsmangel, denn viele wollen sich die Hände nicht mehr dreckig machen und gehen lieber studieren oder ergreifen andere Belastungsfreiere Berufe. Frauen sind heutzutage dem Manne gleichzustellen und ich weiß, dass sie sehr gute bis bessere Arbeit leisten können als Männer. Beim Kochen liegt die Grenze auch bei der körperlichen Belastung die für Frauen einfach schwerer zu tragen ist als bei Männer. Frauen müssen sich dann auch noch ständig gegenüber Ihren männlichen Kollegen beweisen. Nicht jeder Mann kann eine Führung durch eine Frau akzeptieren.

Mein Fazit: Kochen zu können und auch zu tun gehört zu den schönsten Dingen dieser Erde. Die Kulinarik ist Unglaublich!
Die Grenzen für Frauen besteht eher in der körperlichen Situation. Es gibt auch verhältnismäßig wenig Frauen in anderen handwerklichen Berufen obwohl sich das immer mehr ändert. Eher im Management sind weibliche Führungskräfte anzutreffen und ich habe schon einige Hotelmanagerinnen kennengelernt die hervorragende Arbeit leisteten. Ob Mann oder Frau, wenn das Interesse besteht kann jeder in diesem Beruf die Erfüllung finden.
Die Frau verwirklicht es eher zuhause in der Familie.

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15 Kommentare to “Wieso sind die meisten Profiköche männlich wenn Kochen doch eigentlich ursprünglich die “Domäne” der Frau war/ist?”

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  1. Barbara meint dazu:

    Das habe ich bis auf die letzte Zeile mit Verständnis und Nicken gelesen – ich kenne auch mehr Hotelmanager und Köche als weibliche Pendants, klar.

    Aber den letzten Satz löschst Du wieder, bitte?! :-)

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  3. Judy meint dazu:

    Sehr interessant! Ich habe/hatte ähnliche Vermutungen. Auch die Arbeitszeiten sind wohl nicht so “familienfreundlich”, und da halt auch heute immernoch meist die Frau (übrwiegend) Kinder und Haushalt neben der Arbeit schmeißt, könnte das auch noch ein Grund sein.

    @Barbara: Was ist an dem letzten Satz so schlimm? Stimmt doch eigentlich… ;)

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  5. Rufus meint dazu:

    Da könnte ich noch gleich fragen, wieso Männer Du Judys Frage beantworten beantwortest und meine nicht … ;)

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  7. schocan meint dazu:

    ha, da muß ich doch glatt mal Barbara zustimmen. Bei dem Satz habe ich kurz gezuckt. Ansonsten hast Du dieses Thema mit viel Feingefühl und Diplomatie angefaßt, schön!

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  9. lamiacucina meint dazu:

    so wird es wohl sein. Fällt mir auf, dass sogar Köche aus Spitzenbetrieben das Handtuch werfen und in den familienfreundlicheren Betrieb von Altersheimen oder Kantinen wechseln.

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  11. Houdini meint dazu:

    Ich hörte, der Umgang unter Mitarbeitern und Chef zu MA sei in Küchen recht derb und grob, Fuhrmann-mässig würde Frau H sagen, da fühlen sich die zarten Frauen wohl nicht am richtigen Ort, nur solche mit Haaren auf den Zähnen wie die beschriebene Chefin.

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  13. kulinaria katastrophalia meint dazu:

    Wo sind die Hinweise zu kochbegeisterten kleinen Nachwuchstalenten (allerlei Geschlechts), die völlig zu Unrecht aus dem Blickfeld der Betrachung entschwinden? Die machen schließlich den köstlichsten Sandkuchen

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  15. Sebastian meint dazu:

    Ist wohl ein schwieriges Thema. Die Belastungen in der Küche sind auf jeden Fall enorm, weshalb die physische Belastung ein logischer Grund sein könnte. Und der teilweise doch Recht rauhe Umgangston könnte ein anderer sein. Mein Traumberuf wäre es übrigens auch nicht. Zur Entspannung in der eigenen Küche ok, aber für hunderte Leute im Restaurant lieber doch nicht!

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  17. buchstaeblich meint dazu:

    In dem Moment, wo eine Köchin Familie gründet, wird es für sie wesentlich schwieriger, das Leben zu organisieren, als für einen Mann, das sollte unstreitig sein, denn Vollzeit-Kochen und Stillen etc. vereinbart sich sicherlich nicht mir einem Fingerschnipsen – da braucht es enorme Disziplin und Organisationsgabe.

    Der Ton in Küchen wird es nicht sein: Ich bin ja nicht die einzige Frau, die viele schlimme Wörter kennt und benutzt – auch wenn ich keine Köchin bin und auch nicht sein möchte.

    Ich bin leidenschaftliche Zuhauseköchin und habe schon manches Rezept aus der Taufe gehoben, aber wenn Freunde meinen: “Warum machst Du kein Restaurant auf?”, ist meine Antwort stets: “Weil ich nicht bekloppt bin!”.

    Nicht, weil ich Berufskochen nicht achten würde, im Gegenteil: Ich habe größten Respekt davor, aber ich persönlich würde wirklich irre werden, wenn ich täglich Sachen auf Kommando kochen müsste, die obendrein immer gleich schmecken sollen.

    Ich gehöre nämlich zu der putzigen Minderheit, die immer neue Rezepte erfinden muss, weil ich nicht nach Rezept kochen kann und mir nicht genau merken kann, was ich zusammenkoche – ich muss es also täglich neu erfinden.
    Mein Gatte genießt das, aber zahlende Gäste wären mit “Kochen aus der Wundertüte” kaum glücklich zu machen.

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  19. Dandu meint dazu:

    @Barbara: Nun, der letzte Satz ist natürlich nicht stellvertretend für alle Frauen. Das Thema Karriere und Berufsleben ist in unserer heutigen Zeit sehr stark vertreten. Ich denke aber dass dann irgenwann für eine Frau das Thema Familie in den Vordergrund rückt. Wenn auch vielleicht nur vorübergehend. Dennoch, unserer Bestimmung können wir kaum entfliehen. Dem Erhalt und der Vergrösserung der menschlichen Rasse.

    @Judy: Für Frauen als Profiköche bietet sich natürlich im Familienleben sicherlich die Möglichkeit Teilzeitmässig zu arbeiten bzw auszuhelfen. Dennoch, der Job kann sehr anstrengend sein, je nach Art des Hauses.

    @Rufus: Oh, das habe ich im Trubel des Lebens wirklich total übersehen. Ich werde das nachholen und hoffe auf Milde! :-)

    @schocan: Danke. Das der letzte Satz solche Reaktionen auslöst wundert mich etwas. Ist er doch aus ´meiner Sicht positiv zu bewerten.

    @lamiacucina: Ja, Köche die bereits auf hohem Niveau arbeiten lieben meist ihren Beruf, müssen dann aber irgenwann andere Arbeitszeiten anstreben ansonsten wird es schwierig mit einer gesunden Familienplanung und irgenwann hat man auch die Nase voll vom ewigen Stoßgeschäft.
    Tagesarbeitszeiten und der überraschungsfreie durchorganisierte Wochenablauf wirken dann doch sehr positiv auf die plötzlich erhaltene neue Freizeit! ;-)

    @Houdini: Die Zeiten haben sich geändert und viele der Küchenfuhrmänner/frauen haben es gecheckt dass Schreien und grobe verbale Taktiken ein Zeichen von Schwäche und Unvermögen bedeutet. Ein paar Chronische wird es schon noch geben. ;-)

    @kulinaria: Natürlich sind da Unmengen junge Hoffnungsträger überall am wuseln. Hatte ich fast vergessen. Liegt wohl daran dass ich den Sandkuchen meist selber mache. ;-)

    @Sebastian: So hat jeder sein Päckchen zu tragen und seinen Weg zu finden. Nur eines steht fest. Kochen macht Spaß! :-)

    @buchstaeblich: Danke für diesen Kommentar. Du hast den schönsten Weg des kochens gewählt. Gewollt oder Ungewollt denn nach dem Motto “Kühlschrank auf – kurzer Rundumblick – das oder das oder das könnten wir machen” ist der beste Weg etwas zu kreieren und zeigt grosse Flexibilität. Das zeichnet einen Kochbegeisterten aus.

    In der Profiriege gibt es Wettbewerbe bei denen man ein Paket mit Lebensmittel vorgesetzt bekommt und man dann daraus einen Viergänger zaubern muss. Das hat was. ;-)

    Eine gleichbleibende Linie zu haben ist natürlich in einem Restaurant wichtig. Das Produkt sollte nach dem 20igsten mal kochen nicht ständig anderst schmecken. Ich sag immer, ein gutes Gulasch zu kochen ist nicht schwer, doch 10 mal hintereinander umso mehr.

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  21. schocan meint dazu:

    Der letzte Satz klingt einfach so nach den 3 K “Kinder,Küche,Kirche”
    So als ob Du klammheimlich die Frau lieber dort sehen würdest. (Was ich nicht glaube, aber Du wolltest wissen wieso der Satz manchen aufstößt).

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  23. Dandu meint dazu:

    @schocan: Mit dem letzten Satz meine ich dass viele Frauen anstatt einen Profikochberuf zu ergreifen eher zuhause bei der Familie ihr Kulinarisches Leben geniessen und auch Ausleben. Man verfolge nur die vielen Kochblogs die von talentierten und interessierten Koch(haus)frauen geführt werden.

    Also ich bin der allerletzte der ein “FrauandenHerdLebenundabindieKirche” Dasein forciert. Für das bin ich selber viel zusehr ein Lebemann … und meine Frau eine Lebefrau! ;-)

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  25. Lars der Ami meint dazu:

    Interessant, ich habe nie die Frage so angeschaut, dachte es hat mehr mit Frauen mussen zu Hause kochen, wegen tradition und wollte nichts mit Profikochen zu tun haben. Männer magen Essen und mussen es nicht tun ausser wenn es freut ihnen. Oder sowas ähnliches das ich weiss nicht wie es auf Deutsch sagen kann.

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  27. Diane meint dazu:

    Glaube ich nicht, dass das eine Domäne von Frauen war! Man hat sie dazu gemacht ;) Von Natur aus hat der Mensch auch gar nicht gekocht. Spätere Erfindung ;)
    - Und als Koch ist ein Mann schon deshalb oft besser geeignet, weil diese ganzen scheren Geräte, wer will da als Frau schon Tag für Tag mit umgehen?? Die schönen Hände :shock:

    Eine Frau ist auch viel besser für Langzeit-Ausdauerbelastung angelegt – ein Mann dagegen für kurzfristige Kraftakte :D

    Prof. Gerda Lerner hat viele Jahre an ihrem Werk über dass Patriarchat geschrieben – sollte jeder mal gelesen haben … da ist die ganze Geschichte präzise recherchiert soweit man sie von heute aus recherchieren kann

    http://www.amazon.de/Die-Entstehung-Patriarchats-Gerda-Lerner/dp/3593345293

    aber auch das so genannte Matriarchat ist eine Erfindung von denen, die das gern so (gehabt) hätten :lol:

    Mr. Wandmaker hat so ein schönes Buch geschrieben – über den Kochtopf …

    http://www.amazon.de/Willst-gesund-sein-Vergi%C3%9F-Kochtopf/dp/3442136350

    . . . wenn wir den wegwerfen würden, würden sich viele von diesen problemen auch bei der Gesundheit von selbst erledigen … aber Du wärst dann vermutlich arbeitslos, :shock: wenn Du nicht als Salatier oder sowas arbeiten würdest …

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  29. Diane meint dazu:

    ja, und der Mief in so einer Küche … ich habe nochmal gelesen oben … also für eine schöne Frau ist das keine Arbeit, genauso wenig wie ein Kfz-Mechanikier oder so. Obwohl es auch Frauen gibt, wenn auch wenige, die sich daszu hingezogen fühlen ;) Männer, die nicht so männlich sind und in diesen Dingen wenig bewandert oder lustlos, lieben solche Frauen :lol:

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